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Wirtschaftsjournal online

Dienstag, 07.September 2010

„sales & emotions“

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Teil 4: „Nichts läuft – und ich weiß auch, warum!"

„Es gibt Branchen, da läuft einfach nichts." – sagen zumindest die Verkäufer. Eine davon ist der Autohandel. Nach dem Run im letzten Jahr und der Delle nach Ablauf der Abwrackprämie hört man allgemeines Gejammer: Die Kunden wollen keine Autos, die Kunden wollen erst recht keine großen Autos – und teure Autos wollen die Kunden gleich gar nicht. Ein allgemeines Klagen geht durch die Branche. Ist da was dran? Bekannte erzählten mir drei Storys, die ihnen persönlich passierten – dies als Antwort auf „Nichts läuft!".

Story 1:
Mein guter Bekannter ist ein Off-Road-Freak. Deshalb wurde er von einem Autohaus einer anderen (Premium) Marke zu einer Challenge eingeladen. Gern nahm er begeistert teil und gewann sogar an zwei Tagen. Am dritten Tag ging er dann als jubelnder Dritter aus dem Wettbewerb hervor. Eine „Runderneuerung" seines bisherigen Autos war sein Preis. An den drei Tagen, an denen er im Hause der fremden Marke war, bekam er jedes Mal ein kleines Beutelchen mit Werbeartikeln dieser Marke in die Hand gedrückt – niemals war jedoch eines der Autos dabei, das er gefahren hat. Keiner der Verkäufer sprach ihn auch nur an. Er dachte nun, dass er nach der Challenge zumindest einmal angerufen wird, vielleicht um ihm ein „richtiges" Auto zu verkaufen. Bis heute geschah das jedoch nicht – kein „Feindkontakt".
Als er ein halbes Jahr später seinen Gutschein einlöste und sein eigenes Auto „runderneuern" ließ, glaubte er noch, dass zumindest dann ein Verkäufer versuchen würde, ihm ein passendes Auto dieser Marke zu verkaufen. Wieder falsch gedacht. Bis heute hat niemand versucht, ihm ein entsprechendes neues Auto dieser anderen Marke zu verkaufen – aber: „Es läuft ja nichts". Und: Marketing bringt nichts – sieht man ja wohl an dieser Challenge!

Story 2:
Ein mir bekanntes Pärchen begab sich im Frühjahr 2010 in ein Autohaus dieser Stadt. Die Frau wollte ein nettes neues Auto erstehen. So weit so gut. An einem Schausonntag scheiterte der erste Anlauf fast, da alle Türen verschlossen waren. Jedoch durch ein Fenster ward ein Schatten des Verkäufers wahrgenommen, der die Willigen dann durch die einzig offene Tür in das Innere des Hauses schleuste. Dort wurden die Autos zwar gezeigt, aber erst auf Nachfrage und langes Drängen überhaupt eine Probefahrt angeboten. Bis die Probefahrt zustande kam, vergingen wiederum drei Wochen. Die Probefahrt fand zur Zufriedenheit der potenziellen Käuferin statt.  Ohne „Feindkontakt" ging sie jedoch nach der Probefahrt nach Hause – kein Verkaufsversuch fand statt. Erst erneutes telefonisches Nachfragen und Bitten führte dazu, dass der Verkäufer sich erbarmte, ein Angebot zu mailen. Das kam dann nach einer Woche. Anschließend: Schweigen im Walde. Kein Nachfassen, kein Anruf. Der Kunde hat sich gefälligst zu melden! Und wenn nicht: „Es läuft ja nichts".

Story 3:
Bei einem anderen Bekannten meldete sich ein Pärchen aus Glashütte, bei dem sich die Frau in ein gelbes Auto verliebt hatte, welches hier in Chemnitz in einem Autohaus stand. Unbedingt wollten sie dieses Auto erwerben. Via Internet hatten sie es schon gesehen und es war ein klarerer Fall von Liebe auf den ersten Blick. Das Pärchen wollte sich mit dem Bekannten eines Freitags in Chemnitz treffen, um dann im Autohaus gleich zur Sache zu kommen. Dummerweise dauert die Fahrt von Glashütte nach Chemnitz ein wenig länger als gedacht. Erst 17:50 Uhr kamen alle drei (nach vorherigem Anruf) im Autohaus an – um zu erfahren: „Das ist zu spät. Wir schließen 18:00 Uhr!". Nachdem das Pärchen und der Chemnitzer Krach geschlagen hatten, war es trotzdem möglich, zumindest das Auto aus der Nähe zu betrachten und sich auch einmal hineinzusetzen. Weiteres, wie kurz Probe zu fahren bzw. Erklärungen des Verkäufers zu erhalten, war weder gewollt noch möglich. Gegen 18:10 Uhr setzte man die drei kurzer Hand vor die Tür.
Normalerweise wären sie nicht wiedergekommen. Weil jedoch die Frau das Auto unbedingt wollte und es nun noch schöner fand – egal, wie sehr die Verkäufer auch den Verkauf verhindern wollten – hat man in der Folgewoche wieder versucht, einen Termin zu vereinbaren in der Absicht, das Auto nun endgültig zu erwerben. Auch diesmal kam man jedoch wieder total ungünstig. Dummerweise war es dem Pärchen gelungen, sich einen Tag freizunehmen und ausgerechnet zur Mittagszeit im Autohaus aufzutauchen. Gegen 12:30 Uhr ein Auto kaufen – das geht nun wirklich nicht. Alle schüttelten den Kopf und verschlossen die Tür zur wohlverdienten Mittagspause. Nichts desto trotz gab das Pärchen nicht auf und so nannten sie gegen 14:00 Uhr das Auto endlich ihr Eigen. Aber die Verkäufer werden schon recht behalten: „Nichts läuft". Zumindest kommt dieses Pärchen nicht nochmal zu ihnen.

Foto:
Dr. Heike Claus (li.) und Uta Reiher von tradu4you® gmbh.

 

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