Interview mit Dr. Dietmar Grießl, Vorstandsvorsitzender der G.U.B. Ingenieur AGDie G.U.B. Ingenieur AG wurde 1991 als Ingenieurbüro gegründet und dann 2007 zur Ingenieur AG umgewandelt. Die einzelnen Büros bilden ein Ingenieurnetzwerk, das über Spezialisten aus unterschiedlichen Fachdisziplinen verfügt.
Das Leistungsspektrum der Ingenieur AG reicht vom geotechnischen Projektmanagement über ingenieurgeologische und geotechnische Beratung, Bergbauplanung und Deponieplanung bis zur Sanierungsplanung für den Altbergbau und das Umweltprojekt-Controlling.
Die Zentrale der G.U.B. Ingenieur AG befindet sich in Zwickau. Büros unterhält die Gesellschaft in Berlin, Dresden, Leipzig, Freiberg, Cottbus, Chemnitz, Erfurt, Gera und Bad Muskau.
Mitarbeiterzahl: 162 (2008)
WJ: Herr Dr. Grießl, wie beurteilen Sie den sächsischen Bergbau als Wirtschaftsfaktor?
Dr. Dietmar Grießl: Ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist er auch heutzutage. Denn wir können im Freistaat nicht nur auf Auto und Solar setzen. Was wir brauchen, ist eine viel größere Breite tragfähiger sächsischer Branchen. Und in einer solchen Struktur ist ein Platz für den Bergbau gegeben. Außerdem dürfen wir den Arbeitsplatzeffekt nicht vergessen. Der Bergbau ist arbeitskräfteintensiv und erbringt von dieser Seite einen wichtigen Beitrag zur sächsischen Wirtschaftsleistung.
WJ: Das klingt nach rundum positiven Aussichten ...
Dr. Dietmar Grießl: Wir wissen doch aus der Geschichte, dass der sächsische Reichtum aus dem Bergbau kommt. Von daher ist auch heute die Rolle des Bergbaus nicht zu unterschätzen, auch wenn sich die Gewichte verlagert haben und nun schon seit Jahren der Sanierungsbergbau dominiert. Auf diesem Gebiet sind wir in Sachsen Weltspitze und das dabei angewandte und vervollkommnete Know-how müssen wir nun auf dem Weltmarkt anbieten. Gleichzeitig sind aber auch der Braunkohlenbergbau sowie die Steine- und Erdenindustrie nicht zu vergessen.
WJ: Wie ordnen sich diese Perspektiven in das große Thema Rohstoffsicherheit ein?
Dr. Dietmar Grießl: Vor dem Ausbruch der Wirtschaftskrise waren die Preise für Rohstoffe extrem nach oben gegangen. Auch wenn seither die Entwicklung gedämpft verläuft, werden spätestens mit der Überwindung der Wirtschaftskrise die bekannten Fragen wieder auf die Tagesordnung rücken. Für uns heißt das, darüber nachzudenken, der Abbau welcher Lagerstätten sich lohnt und welche Potenziale realistisch genutzt werden können. Das ist die eine Seite der Medaille, deren Bedeutung allerdings nicht überzeichnet werden darf. Da schließe ich mich lieber der Meinung vieler Fachkollegen an und sage, ein neues Berggeschrey wird es im Erzgebirge nicht geben. Viel wichtiger ist deshalb unser Auftritt auf dem Weltmarkt für Bergbauwissen. Und dort sehe ich gegenwärtig die wirklich große Nachfrage und die günstigen Aussichten.
WJ: Reichen dafür unsere sächsischen mittelständischen Strukturen aus?
Dr. Dietmar Grießl: Für Spezialisten, die besondere Aufgabenstellungen bearbeiten, reichen sie aus. Viel hängt jedoch davon ab, zu kooperieren, Angebotspakete zu schnüren und mit vereinten Kräften aufzutreten. Das ist im Kreis von Mittelständlern nicht immer einfach, aber es ist möglich, zum Beispiel durch die Bündelung der Kräfte durch das Geokompetenzzentrum in Freiberg. Da lassen sich noch beträchtliche Potenziale ausschöpfen.
WJ: Zieht die Wissenschaft mit?
Dr. Dietmar Grießl: Also, in aller Bescheidenheit: Die Bergakademie Freiberg ist das „Mekka der Bergleute der Welt“. Diese Wettbewerbsposition gilt es zu halten und auszubauen. Die Ausbildung dort ist sehr gut, über lange Zeiträume hinweg wurde beträchtliches Wissen akkumuliert. Ebenso wichtig für die jungen Leute ist, dass sie gefragt sind und gute Beschäftigungsmöglichkeiten in aller Welt finden.
WJ: Arbeitet G.U.B. mit der Bergakademie zusammen?
Dr. Dietmar Grießl: Ja, mit verschiedenen Wissenschaftsbereichen. Die enge Zusammenarbeit der Bergakademie mit einheimischen Mittelständlern ist ja einer der vielversprechenden Wege, den vorhandenen Wissensvorsprung für beide Seiten zu bewahren. Dazu gehört, dass die Bachelor- bzw. Master-Ausbildung positive Zeichen setzt, wenn die Module richtig gestaltet sind. Als Vorsitzender des Fördervereins Freiberger Geotechniker weiß ich, wovon ich spreche.
WJ: Herr Dr. Grießl, der Bergbau in Sachsen unterliegt verschiedenen Einflüssen. Welche Faktoren wirken unterstützend? Und wo gibt es Barrieren?
Dr. Dietmar Grießl: Sehr gut funktioniert die Zusammenarbeit aller am aktiven Bergbau interessierten, aber auch mit dem Sanierungsbergbau befasster Firmen mit dem Oberbergamt und mit dem Wirtschaftsministerium in Dresden. Auch im Landtag spüre ich eine in der Tendenz positive Einstellung zum Bergbau, und zwar getragen von Überlegungen zur nachhaltigen Rohstoffsicherheit. Es gibt allerdings auch Widerstände seitens bestimmter Bürgerinitiativen und Umweltverbände, die eine harte Linie verfolgen. Im Klartext: Problematisch wird es immer, wenn der Bergbau in bestehende Strukturen eingreift. Doch wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass es nun mal keinen Bergbau ohne Eingriffe in die Landschaft gibt. Ich sage jedoch allen Opponenten: Wir müssen einheimische Rohstoffe unter den Umweltbedingungen des 21. Jahrhunderts nutzen. Da sind tragbare Kompromisse möglich, und das haben wir bei den unterschiedlichsten Projekten bewiesen.
WJ: Welche Rolle wird die Braunkohle in Sachsen spielen?
Dr. Dietmar Grießl: Wir brauchen sie auch in Zukunft. Ich plädiere für einen ausgewogenen Energiemix mit richtigen Prioritäten. Unser einheimischer Rohstoff gehört dazu, trotz der CO2-Problematik, doch dafür lassen sich ja gangbare Lösungswege finden.
Das Gespräch führte Dr. Helge-Heinz Heinker
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Sanierungswissen aus Sachsen für die ga...


