Rico Barth, Geschäftsführer von c.a.p.e. IT, und Rico Fritzsche, Technologieberater und Softwarearchitekt bei VISUAL WORLD, zeigen Vorteile ihrer Systeme auf
Kostengünstiger, sicherer, flexibler mit Open-Source-Software
Die gegenwärtige Krise zwingt auch die IT-Abteilungen in Unternehmen und öffentlichen Verwaltungen dazu, mit weniger Budget mehr zu machen. Die Möglichlichkeiten dazu sind mit konventioneller Software sehr eingeschränkt.
Beispielsweise fallen bei ihr die Kosten immer im vollen Umfang an, weil die Lizenz eines Programms für Spitzenauslastung ausgelegt ist, beispielsweise zur Quartals- oder Jahresbilanzierung. Proprietäre Software treibt die IT-Kosten ohne Rücksicht auf die wahre Nutzung eines Programms hoch. Wer durch Virtualisierung die Hardware effektiver auslasten will, wird erleben, dass Softwarelizenzen dadurch nicht günstiger, sondern unkalkulierbar werden. Wer weniger Lizenzen braucht als bisher, darf sich auf zähe Verhandlungen gefasst machen. Lizenzen zwischen Tochterunternehmen zu verschieben, kostet Umbuchungsgebühren. Konventionelle Lizenzmodelle stehen der Anforderung entgegen, die IT flexibel an sich schneller denn je ändernde Geschäftsorientierungen anzupassen.
Open-Source-Software ist gerade in Krisenzeiten so erfolgreich, weil jetzt ihre Vorteile massiv zur Geltung kommen. Ihr größter Trumpf ist, dass ein Anwender den Quellcode eines Programms kostenlos bekommt, ihn mit seinen oder fremden Fachkräften den eigenen Zwecken anpassen, erweitern und weitergeben darf. Diese Freiheiten haben eine Reihe wirtschaftlich wirksamer Folgen:
Es fallen keine Lizenzgebühren an – unabhängig davon, auf wie vielen CPUs ein Programm wann läuft. Es besteht jederzeit volle Flexibilität, die Nutzung einer Software zu reduzieren oder auszubauen. Eine Herstellerbindung („Vendor-Lock-in“) existiert nicht.
Ein breites Spektrum von Open-Source-Dienstleistern steht zur Auswahl, die für Service und Support gerade stehen. Ein Wechsel ist problemlos möglich, weil der nächste Dienstleister die Software einsehen, analysieren und prompt weiter entwickeln könnte. Entsprechend haben diese Dienstleister keine Exklusivrechte, sondern müssen ständig hohe Qualität liefern.
Die Kosten für Service und Support richten sich bei Open-Source-Software üblicherweise nur nach den tatsächlich in Anspruch genommenen Dienstleistungen. Das läuft in der Regel darauf hinaus, dass sie deutlich niedriger sind als bei Closed-Source-Programmen.
Der Anwender kann zunächst die kostenlose Version einer Software auf Herz und Nieren testen sowie ausprobieren, ob sich spezielle notwendige Erweiterungen realisieren lassen und wie sich dies in seine bestehende IT integrieren lässt. Erst nach einem positiven Ergebnis käme die Entscheidung für die kostenpflichtige Version mit Support, Vorlaufkosten entfallen. Die Gefahr kostenträchtiger Fehlentscheidungen und die sonst drohenden „Exit“-Kosten sinken markant.
In welche Richtung ein Open-Source-Programm weiter entwickelt wird, ist durch das Unternehmen in der Rolle des Anwenders selbst beeinflussbar. Es kann eine weltweite Entwicklergemeinschaft, die „Community“, um Hilfe für bestimmte Erweiterungen bitten oder Firmen damit beauftragen.
Häufig stehen gerade in der Krise konventionelle IT-Anbieter unter Kostendruck, mit der Folge, dass sich bei Closed Source neue Funktionen verzögern, Entwicklungszyklen verlangsamen und schlimmstenfalls Firmen in Konkurs gehen oder übernommen werden. Dagegen sind die Anwender machtlos. Bei Open Source aber haben sie den Quellcode und können Programme selbst oder mit Dienstleistern weiter entwickeln. Diese professionelle Community ist ein wichtiges Fangnetz in Krisenzeiten.
Open Source basiert nicht auf herstellereigenen Standards, sondern nutzt immer unabhängige, international anerkannte Spezifikationen und Schnittstellen. Dadurch lässt sich quellÂoffene Software mit äußerst geringem Aufwand in bestehende IT-Umgebungen integrieren und später um weitere Komponenten erweitern. Ein hoher Investitionsschutz ist gewährleistet. Gleichzeitig reduziert sich der Entwicklungs- und Supportaufwand. Kooperationen zwischen mittelständischen Unternehmen zur gemeinsamen Lösung von IT-Problemen basierend auf Open Source und zur Kostenreduktion sind ebenso denkbar.
Zusammenfassend überzeugen die Vorteile von Open Source so stark, dass dieses Entwicklungsmodell die Unterstützung aller bedeutenden IT-Hersteller gewonnen hat. Aus den gleichen Gründen ist es zu einem massiven Trend in Verwaltungen und Unternehmen geworden. Open Source deckt keine Nischen ab, sondern ist das erfolgreiche Zukunftsmodell der IT schlechthin. Es bietet dem Mittelstand die Möglichkeit, seine IT-Budgets gezielt in die Anpassung der Software zu investieren und effizient zur Optimierung und Unterstützung seiner Geschäftsprozesse einzusetzen.
Rico Barth
Der Autor:
Rico Barth hat in Freiberg Mathematik studiert und sammelte jahrelang bei T-Systems Erfahrungen im Bereich der Integration komplexer IT-Systeme. 2006 gründete er mit drei Kollegen die c.a.p.e. IT GmbH, der er als Geschäftsführer vorsteht. Das schnell wachsende Unternehmen ist als Partner von OTRS und BMC auf IT-Service-Management spezialisiert und entwickelt entsprechende Open-Source-Produkte. c.a.p.e. IT realisierte Open-Source-Projekte beim Landtag Brandenburg,
Alnatura, Brands4Friends uvm. Seit 2009 ist Rico Barth 2.Vorsitzender des LIVE Linux-Verbands, dem Open-Source-Businessverband in Deutschland.
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