1. Partnerdialog des Netzwerkes Carus Consilium Sachsen stellte Lösungsansätze für nachhaltige Gesundheitsversorgung vor
„Die Taktzahl und Dynamik, die Carus Consilium vorlegt, ist beeindruckend und reißt hoffentlich andere Gesundheitsregionen mit.“
Dr. Josef Hilbert
„Seit einem Jahr verfolgen wir gemeinsam das Ziel, Zukunft zu denken und zu gestalten.“ Mit diesen Worten eröffnete PD Dr. med. Andrea Morgner, Geschäftsführerin der Carus Consilium Sachsen GmbH (CCS) den ersten Partnerdialog der gleichnamigen Gesundheitsregion.
Diese hat in nur zwölf Monaten leistungsfähige Strukturen aufgebaut. Carus Consilium vereint 540 Partner von 200 Institutionen aus den Bereichen Medizin, Bildung Forschung, Wirtschaft und öffentliche Institutionen. Sie bearbeiten derzeit 31 Projekte, die zum größten Teil aus Eigenmitteln aus der Region finanziert werden. Das übergreifende Ziel besteht darin, die Gesundheitsversorgung im Regierungsbezirk Dresden flächendeckend, wirtschaftlich und natürlich in qualitativer Hinsicht zu sichern. „Es darf keinen Unterschied in Zugang und Qualität geben“, fasst Dr. Morgner dieses Anliegen zusammen.
Vorgelegt
„Die Taktzahl und Dynamik, die Carus Consilium vorlegt, ist beeindruckend und reißt hoffentlich andere Gesundheitsregionen mit“, lobt PD Dr. Josef Hilbert vom Institut Arbeit und Technik des Wissenschaftszentrums Nordrhein-Westfalen, der auch Vorsitzender des Netzwerks Deutsche Gesundheitsregionen e. V. ist, das bisher in Sachsen Erreichte. Dieser Verein dient vor allem dazu, „sich wechselseitig in die Karten schauen zu können“.
Unterstützt
Ein solcher Nachdruck bei der Umsetzung von Konzepten, welche die Versorgungsqualität in Struktur, Prozess und Ergebnis nachhaltig verbessern, ist auch dringend notwendig. So stellte Christine Clauß, Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz des Freistaates Sachsen, in ihrem Grußwort heraus: „Die Bevölkerungszahl sinkt, der Anteil der älteren Menschen steigt. Daher müssen wir aus weniger mehr machen, das heißt, die vorhandenen Ressourcen effizienter einsetzen und medizinische Angebote klug vernetzen.“ Dies ist nicht nur ein Lippenbekenntnis der MinisÂterin, sondern dem Freistaat auch so wichtig, dass er zwei Projekte unter dem Dach des Carus Consilium mit knapp 100.000 Euro unterstützt. Eines der beiden Projekte, die Etablierung eines telemedizinischen Tumorkonsils zwischen dem UniversitätsKrebszentrum und dem Krankenhaus Freiberg gGmbH wird dabei Pilotfunktion für ganz Sachsen haben. Die Wiederherstellung und Förderung von Gesundheit ist aber nicht nur ein Kostenblock, sondern ein Bereich, der vielfältige Möglichkeiten für Erwerbstätigkeit und Wertschöpfung eröffnet. Bereits ein Zehntel der Bruttowertschöpfung geht in Deutschland auf das Konto der Gesundheitswirtschaft.
Herausgefordert
Das Rad lässt sich somit nicht mehr zurückdrehen „und das Netzwerk Carus Consilium wird auch unabhängig von der Förderung des Bundes seine Rolle einnehmen“. Mit welchen Ausgangsbedingungen dieses nun tatsächlich konfrontiert ist, veranschaulichte Prof. Dr. med. D. Michael Albrecht, Sprecher des CCS und Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden (UKD) in seinem Vortrag. „Es geht im Kern darum, Probleme, auf die wir alle zusteuern, zu beheben oder zumindest einzudämmen.“
Allerdings haben wir nach seinen Worten und natürlich auch belegbaren Zahlen kein Problem mit der Anzahl an Ärzten, sondern mit deren regionalen Verteilung. Zudem liegt Deutschland bei den Ausgaben für Gesundheit und Medikamenten sowie bei der Anzahl der Krankenhausbetten und der Arztbesuche wie auch bei den VerwaltungskosÂten im europäischen Vergleich deutlich über dem Durchschnitt. Vor diesem Hintergrund ist zu überlegen, welche Ausgaben wirklich unbedingt notwendig sind. Ebenso
müssten solide Finanzierungsmodelle geschaffen werden, die private und staatliche Anteile kombinieren sowie auf einer gemeinsamen bedarfsgerechten Planung von Fachkräften des ambulanten und stationären Sektors beruht. Da nimmt er sein eigenes Haus nicht aus. „Krankenhäuser agieren auch noch nicht optimal unternehmerisch.“ Sein zentraler Lösungsansatz besteht zusammenfassend darin, alle Leistungspartner in der Region zu integrieren.
Welche zusätzlichen Funktionen die Gesundheit in der heutigen Zeit erfüllt, brachte Dr. Hilbert den etwa 180 Teilnehmern des ersten Partnerdialogs nahe: „Gesundheit wird mehr und mehr zum Lebensstil. Auch andere Branchen wie vor allem der Tourismus und die Lebensmittelindustrie nutzen dies bei der Vermarktung ihrer Produkte, indem sie diese mit einem Schuss Gesundheit veredeln.“
Als eine besondere Herausforderung und vor allem kritische Größe nannte er die Sicherstellung von Erwerbstätigkeit und Qualifizierung im Gesundheitswesen. „Das ist die Achillesferse“.
Gelöst
Während die Probleme eingangs klar umrissen worden sind, diente der Partnerdialog im weiteren Verlauf der Vorstellung von Lösungsansätzen. Bei vielen von ihnen nehmen die telemedizinischen Anbindungs- und Kommunikationsmöglichkeiten eine Schlüsselstellung ein. So auch bei dem Best-Practice-Beispiel „Integrierte Schlaganfallversorgung in der Gesundheitsregion“. Das Dresdner Universitäts SchlaganfallCentrum bietet hierbei kooperierenden Kliniken im Raum Dresden und in Ostsachsen über das SOS-NET – Schlaganfallversorgung in Ost-Sachsen Netzwerk – eine telemedizinische Beratung für Schlaganfallpatienten an. Diese Beratung beruht auf einem mittels Webcam erhobenen klinischen Befund sowie einer telemedizinischen Beurteilung von CT- oder MRT-Aufnahmen.
Als ein weiteres „Best Practice-Projekt“ stellte Frau Dr. Gesine Marquardt, TU Dresden, Fakultät Architektur, Lehrstuhl für Sozial- und Gesundheitsbauten, das Modell-Projekt „Home-assisted Living & Care@Home: bedarfsgerechte Wohnumfeldoptimierung“ vor. Mit Hilfe einer multiprofessionellen Vernetzung sollen durch das Gesundheitsnetzwerk bauliche und technische Maßnahmen aus dem Bereich des Ambient Assisted Living (AAL) entwickelt, implementiert und evaluiert werden.
Das sind nur zwei Beispiele von vielen Themen, welche die Partner im CCS bearbeiten. „Bis 2016 werden wir ersÂte marktfähige Lösungen vorlegen“, kündigte Frau Dr. Morgner an.
Da die Gesundheitsregion trotz zahlreicher Projektergebnisse als solche noch am Anfang steht, soll der Partnerdialog als Forum etabliert werden und einen kritischen Dialog in Gang halten.
Claudia Hillmann
Seit April 2008 haben sich über 500 Partner im Carus Consilium Sachsen zusammengeschlossen, um mit innovativen Konzepten Qualität, Verfügbarkeit und Innovation medizinischer Leistungen dauerhaft zu sichern. Mit einem Forschungsprojekt beteiligt sich das Carus Consilium Sachsen auch an dem Wettbewerb „Gesundheitsregionen der Zukunft – Fortschritt durch Forschung und Innovation“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Damit verbunden sind je Projekt bis zu zehn Millionen Euro als Fördermittel für einen Zeitraum von vier Jahren.
www.carusconsilium.de
Foto1:
Die Gesundheitsregion Sachsen findet im Freistaat auch politische Anerkennung (v.l.n.r): Christine Clauß, Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz des Freistaates Sachsen, Prof. Dr. med. D. Michael Albrecht, Sprecher des CCS und Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden (UKD) und Kirsten Schick, Regierungsdirektorin im Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft und Arbeit, Referat Mittelstandspolitik.
Foto2:
Frau Dr. Morgner im angeregten Gespräch mit Teilnehmern.
Foto3:
Das zentrale Anliegen der Partnerdialogs war die Anregung einer kritischen Auseinandersetzung zu den einzelnen Konzepten, Modellbeispielen. 
Carus Consilium Sachsen GmbH
Fetscherstraße 74
01307 Dresden
Telefon: 0351/458 5039
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