Dr.-Ing. Stephan Kieselstein, Geschäftsführender Gesellschafter der Kieselstein Group, hat Sachsen Ass verdient
Dass man als unternehmerischer Späteinsteiger außerordentlich erfolgreich sein kann, diesen Beweis hat Dr.-Ing. Stephan Kieselstein angetreten. Als er 2002 die Kieselstein GmbH gründete, zählte der geborene Karl-Marx-Städter bereits 48 Lenze. Damals übernahm Kieselstein das Know-how und die Vetriebsrechte der Marken zweier traditionsreicher, aber in wirtschaftliche Turbulenzen geratener Drahtziehmaschinenhersteller.
Zunächst musste die heimische Garage als Büro herhalten. „Es war Sommer, wir haben das Garagentor hochgeklappt und los ging´s“, amüsiert sich der Firmenchef heute.
2010, gerade mal acht Jahre später, hat sich die Kieselstein Group in der Liga der bedeutendsten Hersteller von modernen Drahtziehanlagen und Drahtziehschälmaschinen sowie Drahtverarbeiter etabliert.
„We wire the world“ – „Wir verdrahten die Welt“ ist mittlerweile zum selbstbewussten Slogan des Unternehmens geworden. Das ist nicht übertrieben. Zum Kundenstamm des sächsischen Familienunternehmens, das im Chemnitzer Arno-Loose-Park an der Erzbergerstraße 3 ansässig ist, gehören etwa 400 Kunden in fast 50 Ländern rund um den Globus.
Der Erfolg der Kieselstein Group - das Unternehmen zählt mittlerweile 50 Beschäftigte und erzielt einen Jahresumsatz von über fünf Millionen Euro – ist in erster Linie mit dem Namen des Geschäftsführenden Gesellschafters Stephan Kieselstein verknüpft. Dieser hat das mittelständische Unternehmen zum Weltmarktführer auf dem Gebiet der Ziehschälanlagen für die Herstellung von Federdraht, der in der Automobilindustrie verwendet wird, gemacht. Krisenstimmung ist bei Kieselstein Fehlanzeige. Trotz eines leichten Auftragsrückgangs im vergangen Jahr konnte der Umsatz 2009 im Vergleich zu 2008 gesteigert werden. Zu keiner Zeit musste das Unternehmen Kurzarbeit fahren. „Wir haben vor, den Umsatz in diesem Jahr deutlich zu steigern“, gibt sich Stephan Kieselstein überzeugt.
Stephan Kieselstein ist ein außergewöhnlicher Mensch. Der Erfolg wurde ihm nicht in den Schoß gelegt, sondern war nur Dank unermüdlicher Arbeit möglich. Dabei erinnert sich Kieselstein auch gern an seine Wurzeln. „Ich habe an der Technischen Hochschule Karl-Marx-Stadt, der heutigen TU Chemnitz, Werkzeugkonstruktion studiert und meinen Doktor gemacht. Bis 1992 arbeitete ich im Fritz-Heckert-Stammbetrieb.“ Danach holte er sich zwei Jahre lang in westlichen Bundesländern das Rüstzeug für seine spätere unternehmerische Tätigkeit.
„Die Kieselstein Group befindet sich heute weiter auf Wachstumskurs. Da ergibt sich für uns eher das Problem, geeignete Fachkräfte zu finden, die wir unbedingt benötigen“, so der Firmenchef. Defizite sieht er nicht nur in der Ausbildung. „Es muss in Chemnitz unbedingt etwas getan werden, um die so genannten weichen Faktoren zu verbessern. Optimale Lebensbedingungen sind eine wesentliche Voraussetzung, dass sich junge Leute, dringend benötigte Fachkräfte, aber auch neue Unternehmer hier nieder lassen.“ Kieselstein kritisiert dabei die Stadt und die Wirtschaftsförderung, ihre Möglichkeiten nicht auszuschöpfen. „Wenn es Chemnitz mit seinem wirtschaftlichen Potenzial nicht gelingt, weiteren Zuzug zu erreichen, gibt es ein Problem. Wir brauchen bodenständige, international agierende Unternehmen. Und diese wiederum benötigen qualifizierte Arbeitskräfte.“
Stephan Kieselstein macht aus seinem Herzen keine Mördergrube. Er bringt die Dinge, die gesagt werden müssen, auf den Punkt und drängt auf Veränderung. Aber er ist nicht einer, der nur wettert, kritisiert und fordert. Mit persönlichem Engagement bringt er sich selbst mit ein, um den Standort Chemnitz aufzuwerten – und das neben seiner unternehmerischen Tätigkeit. Beispielsweise bei der Förderung von Fachkräften, Studenten und Praktikanten. Als Kunstsammler und Kulturinteressierter engagiert er sich ebenfalls, um das Image der Stadt aufzupolieren. So stellt er kreativen Menschen Räume auf seinem Firmengelände zur Verfügung. Im so genannten Kunsthaus „3K“ – die drei K stehen für Kunst, Kaßberg und Kieselstein – werden bereits 15 Ateliers und Studios genutzt.
Stephan Kieselstein ist bodenständig und mit ganzem Herzen Chemnitzer geblieben. „Klar, dass neben der Mitverantwortung für die Stadt die meiste Kraft auf das Wohl des Unternehmens ausgerichtet sein muss“, bekundet er. In diesem Sinne hat er sein Feld gut bestellt und bereits auch die Unternehmensnachfolge geregelt. Sein Sohn Jens steht als Nachfolger Gewehr bei Fuß und leitet seit einiger Zeit mit seinem Vater gemeinsam das Unternehmen.
Stephan Kieselstein hat viel bewegt. Er ist würdig, mit dem Sachsen Ass 2010 ausgezeichnet zu werden.
Wolfgang Baltzer
Biografisches
1954 in Karl-Marx-Stadt geboren
1972-1976 Hochschulstudium
1981 Promotion zum Dr.-Ing.
1980-1992 tätig Werkzeugmaschinenkombinat „Fritz Heckert“
1992-2002 leitende Funktionen in Maschinenbaubetrieben
2002 Gründung der Kieselstein GmbH








