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Samstag, 31.Juli 2010

Impulse aus Amerika

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Hand aufs Herz, Mister President, wie wichtig ist Deutschland für die USA?

„Wir haben auch erneut bekräftigt, dass wir einen protektionistischen Weg nicht einschlagen werden. Wir werden alles tun, um einen Aufschwung herbeizuführen."

US-Präsident Barack Obama in der Pressekonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am 5. Juni 2009 in Dresden

Er war nur wenige Stunden in Deutschland, und doch hat der Besuch des amerikanischen Präsidenten große Beachtung gefunden. „Über den Besuch ist außergewöhnlich umfangreich berichtet worden“, bestätigt Thomas Zielke vom RGIT, dem Representative of German Industry and Trade – das Verbindungsbüro des Bundesverbands der Deutschen Industrie und des Deutschen Industrie- und Handelskammertags in Washington. Zwar stand die wirtschaftspolitische Berichterstattung nicht im Vordergrund, doch neben bedeutenden Fragen zum Friedensprozess im Mittleren und Nahen Osten, dem iranischen Nuklearprogramm und der Schließung des umstrittenen Gefängnisstandortes Guantanamo wurden auch Klimawandel und Krisensituation diskutiert.

Hoffnungsvolles Miteinander
„Wir werden weiterhin eng zusammenarbeiten, um die Weltwirtschaftskrise zu überwinden und Wachstum und Wohlstand für die Bevölkerung wiederherzustellen“, sagte Barack Obama auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel im Juni in Dresden. Einige Fortschritte bei der Stabilisierung der Wirtschaftslage seien bereits erreicht worden. Dies werden deutsche Unternehmer mit Erleichterung zur Kenntnis nehmen, betrug doch der Exportrückgang im ersten Quartal 2009 laut Departement of Commerce etwa 30 Prozent.

Stärkster sächsischer Außenhandelspartner
Auch sächsische Unternehmen sind von dieser beunruhigenden Entwicklung betroffen, sind doch die USA seit Jahren stärkster Außenhandelspartner des Freistaates. Das Handelsvolumen zwischen Sachsen und den USA betrug nach Angaben des Statistischen Landesamtes 2008 rund 1,7 Milliarden Euro, was etwa 7,3 Prozent des Gesamtexportvolumens von 23,2 Milliarden Euro entspricht. Damit lag es um fünf Prozent niedriger als ein Jahr zuvor. Zu den gefragtesten Exportartikeln zählen insbesondere PKW und Fahrzeugteile, Druckmaschinen, elektronische Bauelemente und chemische Erzeugnisse. Die Auftragsrückgänge bedeuten nun sehr schmerzhafte Einschnitte für die Unternehmen.

Gesamtexportquote steigt
Besonders betroffen laut statistischem Landesamt war die Ausfuhr elektrotechnischer Erzeugnisse, die sich in Sachsen um 16 Prozent verringerte. Bei den Erzeugnissen des Kraftfahrzeugbaus bedeutete der Rückgang um 7 Prozent einen Warenwert von mehr als einer halben Milliarde Euro. Eine positive Exportbilanz hatten die Hersteller von Erzeugnissen des Maschinenbaus aufzuweisen. Deren Exportumsatz von 3,6 Milliarden Euro bedeutete einen Zuwachs von 7 Prozent im Vorjahresvergleich. So kann Sachsen auf eine weiter steigende Exportquote verweisen und stellt 40 Prozent des Exportvolumens der fünf ostdeutschen Bundesländer.

Größter ausländischer Investor in Sachsen
Das Exportgeschäft allerdings ist fast doppelt so hoch wie das Importgeschäft, welches vor allem Produkte des Maschinenbaus und der Elektrotechnik umfasst. Etwa 120 amerikanische Industriefirmen und Dienstleistungsunternehmen haben seit Beginn der 90er Jahre rund zehn Milliarden Euro in den Standort Sachsen investiert und dabei etwa 15.000 Arbeitsplätze gesichert oder geschaffen. Damit sind die USA der größte ausländische Investor im Freistaat.
Laut Wirtschaftsförderung Sachsen sind der enge Kontakt zu den potenziellen Investoren, die Verfügbarkeit qualifizierter Fachkräfte und die schnelle sowie spezifische und umfassende Bearbeitung der jeweiligen Anfrage entscheidende Kriterien der Standortwahl. So überzeugten die extrem kurzen Bearbeitungszeiten der sächsischen Genehmigungsbehörden das Photovoltaikunternehmen Signet Solar – mit Hauptsitz in Kalifornien –, sich in Mochau bei Döbeln niederzulassen. Die hohe wissenschaftliche Kompetenz an den Universitäten in Chemnitz, Dresden, Leipzig und Freiberg sowie die reichhaltige Institutslandschaft für Forschung und Entwicklung machen Sachsen zu einem attraktiven Investitionsstandort, wie die Ansiedlungen von AMD – jetzt Globalfoundries in Dresden, Niles Simmons in Chemnitz und Southwall in Großröhrsdorf zeigen. Weitere wichtige Kooperationsfelder bestehen in der Forschung, vor allem auf dem Gebiet der Biotechnologie. Sachsens Hochschulen unterhalten intensive Kontakte zu 65 US-amerikanischen Partneruniversitäten.

Umdenken bei Erneuerbaren Energien
Großes Wachstumspotenzial mit Wechselwirkungen auf dem Gebiet der Erneuerbaren Energien sieht Wolfram Schnelle, Geschäftsführer Industrie und Außenwirtschaft der IHK Dresden. „Durch die Veränderungen in der amerikanischen Politik eröffnen sich neue Aufgabenfelder“, sagte er. Tatsächlich erleben die Erneuerbaren Energien derzeit in den USA einen beispiellosen Aufschwung. Barack Obama hat Investitionen von 150 Milliarden Dollar über die nächsten 10 Jahre für entsprechende Technologien angekündigt. In nur drei Jahren will er die Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien in seinem Land verdoppeln. Der Ausstoß von Treibhausgasen soll bis 2050 auf 80 Prozent des Niveaus von 1990 abgesenkt werden. „Ich habe der Bundeskanzlerin gesagt, dass die Vereinigten Staaten und Europa Höchstgrenzen bei den CO2-Emissionen festlegen müssen. Wir müssen entscheidende Schritte durchführen, denn sonst wird es schwierig sein, Überzeugungsarbeit bei Ländern wie China und Indien zu leisten, um die Kohlendioxidemissionen zu reduzieren“, sagte der US-Präsident in Dresden.

Investieren in den USA
Derzeit führt die Auslandshandelskammer AHK USA- Chicago in Zusammenarbeit mit der Exportinitiative Energieeffizienz des Bundeswirtschaftsministeriums eine Delegationsreise für deutsche Unternehmen durch, die auf einer Konferenz in Michigan ihre Technologien vorstellen. Vor dem Hintergrund der neuen Energiepolitik in den USA gründen viele deutsche Hersteller US-Tochterfirmen und ziehen die nötigen Service- und Wartungsleistungen aus Deutschland nach, teilt die AHK mit. Der Dienstleistungsmarkt USA biete großes Potenzial für deutsche Unternehmen, die über eine Expansion nachdenken. Neben der AHK unterstützen viele weitere Einrichtungen insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen bei der Anbahnung von ausländischen Geschäftskontakten. Zentrales Kooperationsgremium in Sachsen ist die AWIS, die „Außenwirtschaftsinitiative Sachsen“, an der das Sächsische Wirtschaftsministerium, die sächsischen Industrie- und Handelskammern, die Handwerkskammern und die Vereinigung der sächsischen Wirtschaft beteiligt sind. Als Koordinierungsstelle fungiert die Wirtschaftsförderung Sachsen, mit den Kammern als Basisansprechstelle.

Rekord für Besucherzahl
Fast 70 000 amerikanische Touristen besuchten im letzten Jahr den Freistaat Sachsen, das sind fast doppelt so viele wie noch vor sechs Jahren. Dresden und Leipzig sind die häufigsten Zielorte, aber auch die Schönheit kleinerer Städte wie Görlitz und Torgau veranlasst Besucher, ihren Aufenthalt zu verlängern. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer für amerikanische Touristen ist momentan eben so lang wie die der deutschen und liegt derzeit bei 2,3 Tagen. Der bedeutendste Besucher ist sicher der 44. Präsident der USA. „Wir hoffen auf Impulse, weil er sich die Stadt Dresden selbst ausgesucht hat“, sagt Ines Nebelung von der Tourismus Marketing Gesellschaft und freut sich über die große internationale Beachtung. „Die Leute sind hoffentlich neugierig geworden!“ Besucher aus Amerika schätzten besonders die Fülle der barocken Prachtbauten und die Spuren einer 1100-jährigen Geschichte. Immerhin 1454 Amerikaner verlegten bis Ende 2007 ihren Wohnsitz nach Sachsen.
Vom 18. bis 22. November findet in Leipzig die Messe Touristik und Caravaning International statt. Partnerland in diesem Jahr sind - die USA.
Simone Pflug

Foto:

Der Präsident und die Bundeskanzlerin bei der Pressekonferenz in Dresden.    
Foto: Simone Pflug

Unterstützung zur Anbahnung ausländischer Geschäftskontakte finden Unternehmer bei:

-    Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern
-    Wirtschaftsförderung Sachsen mit Außenwirtschaftsinitiative AWIS
-   US-Generalkonsulat in Leipzig
-   Landesverband des Sächsischen Groß- und Außenhandels/Dienstleistungen e. V. RKW Sachsen (Rationalisierungskuratorium für die deutsche Wirtschaft)
-   Exportinitiative Energieeffizienz beim Bundeswirtschaftsministerium
-   German Trade and Invest GTAI
-   Außenwirtschaftsportal XPOS

 
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„Seit gefühlten 100 Jahren beschäftige ich mich mit Marketing." Ein Satz, mit dem sich Jörg Sattler gern neuen Geschäftspartnern vorstellt. Schon seit seiner Kindheit ist das „Denken in anderen Köpfen" eine charakteristische Stärke von ihm. Anfang der 90er Jahre baute der studierte Nachrichtentechniker als Chefredakteur eine Betriebszeitung auf. Weiterlesen...

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