Wirtschaftsjournal im Gespräch mit Jutta Cordt, Chefin der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit
Wirtschaftsjournal: Frau Cordt, Sie waren in unterschiedlichen Führungsfunktionen innerhalb der Bundesagentur tätig. Können Sie die gesammelten Erfahrungen in Ihrer neuen Funktion einbringen?
Jutta Cordt: Ja, auf jeden Fall. Für mich ist auf der einen Seite äußerst wertvoll, dass ich die Arbeit in den Agenturen viele Jahre mitgestaltet habe und ein fundiertes Bild über die spezifischen Problemstellungen an der Basis gewinnen konnte.
In meiner Funktion als Geschäftsführerin in der Zentrale in Nürnberg und auch in der Projektarbeit im Bundesministerium für Arbeit und Soziales konnte ich auf der anderen Seite Erfahrungen insbesondere in der Zusammenarbeit mit der Politik und anderen Partnern am Arbeitsmarkt sammeln. Die Blickwinkel aus den verschiedenen Ebenen zu haben, zahlt sich für meine Arbeit in der so genannten Mittelinstanz aus.
WJ: Hinsichtlich der Entwicklung der Konjunktur und des Arbeitsmarktes geben die Prognosen der Wirtschaftsforschungsinstitute keine Entwarnung für das kommende Jahr. Wie sollten sich die Unternehmen Ihrer Meinung nach darauf einstellen?
Cordt: Es ist richtig, dass Sachsen in 2010 mit den Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise zu kämpfen hat. Hinzu kommt die demographische Entwicklung in Sachsen. In den kommenden Jahren werden wir weniger Schulabgänger haben und immer mehr Fachkräfte werden aus Altersgründen nicht mehr am Erwerbsleben teilnehmen. Darauf gilt es sich einzustellen. Nur durch eine vorausschauende Personalpolitik kann ein Unternehmen auf Dauer dem Wettbewerb, dem technischen Fortschritt, der Globalisierung Stand halten. D.h., die Unternehmen sollten gehalten sein, ihre Mitarbeiter an sich zu binden, sie für den Markt von morgen fit zu machen.
Dies haben die Unternehmen nach meiner Bewertung bereits in 2009 in Sachsen so umgesetzt. Sie wissen, dass sie ihre ausgebildeten Kräfte halten müssen. Sie wissen, dass sie diese bei Freisetzungen an Konkurrenten verlieren. Dies zeigt mir die Nutzung der Kurzarbeit in 2009. 4.036 Betriebe haben insgesamt 46.854 Mitarbeiter in die Kurzarbeit geschickt und eben nicht entlassen. In 2009 haben wir in Sachsen allein 103 Millionen Euro hierfür bereitgestellt und auch für 2010 stehen genügend finanzielle Mittel zur Verfügung, um alle Betriebe zu unterstützen.
Ich möchte hier gleichzeitig an alle Unternehmer appellieren, die Zeiten der Kurzarbeit zu nutzen, ihre Mitarbeiter zu qualifizieren, um für den bevorstehenden Aufschwung gut gerüstet zu sein. Die Agenturen können hier auch finanziell unterstützen und stehen für eine Beratung der Unternehmen zur Verfügung.Â
WJ: Welche Unterstützungsangebote der Bundesagentur für Arbeit können die Unternehmen in Sachsen nutzen?
Cordt: Wir haben in den letzten Jahren unseren Arbeitgeber-Service in den Agenturen reformiert. Die letzte Befragung der Arbeitgeber in Sachsen bestätigt uns mit der Schulnote 2, dass wir gut aufgestellt sind. Insofern setzen wir zunächst auf eine Unterstützung der Arbeitgeber durch Beratung. Ganz gezielt helfen die Kollegen aus unserem Arbeitgeberservice bei der Suche nach geeignetem Personal, bei der Einstellung von Auszubildenden, bei der Beratung zu Qualifizierungsmöglichkeiten der Mitarbeiter und zu Kurzarbeit.
Daneben unterstützen wir die sächsischen Arbeitgeber mit finanziellen Hilfen. So kann beispielsweise ein Zuschuss der Agentur zum Arbeitsentgelt den Weg für einen neuen Mitarbeiter mit fachlichen Defiziten ebnen, der dringend benötigte Schweißerpass finanziert oder die Weiterbildung während Kurzarbeit bezuschusst werden.
WJ: Was haben Sie sich als Regionaldirektionschefin gemeinsam mit Ihren Mitarbeitern für 2010 vorgenommen?
Cordt: Wir bringen Arbeit und Menschen zusammen. Gemeinsam sind und bleiben wir „aktiv für Arbeit". Unser Ziel ist es, unseren Service für Arbeitgeber und Arbeitnehmer ständig zu optimieren. Als größter Dienstleister am Arbeitsmarkt, setzen wir uns für Qualifizierung, schnelle Stellenbesetzung und reibungslose Leistungsgewährung ein.
Eine große Herausforderung wird die verfassungsrechtlich gebotene Neuorganisation im Bereich der Grundsicherung sein. Hierauf sind die Mitarbeiter vorbereitet Sie sind – so konnte ich in meinen Besuchen vor Ort in den letzten Wochen feststellen – motiviert, den Menschen in Sachsen zu helfen und gut aufgestellt, um unter den schwierigen Rahmenbedingungen die Neuorganisation im Rechtskreis des SGB II gemeinsam mit den kommunalen Partnern zu meistern. Das sind wir allen Arbeitsuchenden in Sachsen schuldig.
Gespräch: Claudia Hillmann
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Jutta Cordt ist seit Herbst 2009 Chefin der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit.



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