Sie muss pulsieren – unsere Wirtschaft, schnell sein, innovativ, marktnah. Dabei kann sie ohne modernste Informations- und Kommunikationstechnologie nicht erfolgreich sein. Doch die ITK-Unternehmen haben so ihre Problemchen: Jahre extremen technologischen Wachstums haben sie aus der allgemeinverständlichen Sprachwelt gerissen. In einen sprichwörtlich ganz eigenen Himmel. Unsere mittelständischen Unternehmer und Führungskräfte, so sie nicht selbst dieser Zunft angehören, haben sich auf anderen Fachgebieten entwickelt. Für die Welt der Bits und Bytes haben sie schlicht und ergreifend weder Zeit noch das erforderliche Fachverständnis.
Man versteht sich einfach nicht. Doch was tun, wenn gerade durch die Wettbewerbsfähigkeit wesentlich mit bestimmt wird? Und noch ein anderes Phänomen betrachte ich mit einigen Sorgenfalten: In den vergangenen 20 Jahren gab es in Ostdeutschland nur wenige Unternehmen, die die Hochtechnologie hiesiger ITK-Unternehmen brauchten oder bezahlen konnten. Damit orientierten sich die Spezialisten gen Westen. Und das taten sie sehr erfolgreich. Inzwischen hat sich die ostdeutsche Wirtschaft gut entwickelt und es ist Zeit für IT-Innovationen. Ihre Anbieter finden die Unternehmer oft viele Kilometer entfernt. Dabei fände sich wahrscheinlich ein passendes Dienstleistungsunternehmen direkt vor der Haustür. Doch dieses durchdringt den einheimischen Markt nur sehr bescheiden und wirkt neben den aggressiven Marketingstrategien der westdeutschen Kollegen einfach nur blass. Als bekennender Branchenliebhaber, schließlich habe ich fast 10 Jahre die IT mit gestalten dürfen, rührt sich da viel Unmut in der Brust. Und so fordere ich die ostdeutschen IT- und Telekommunikationsunternehmer auf, mehr für ihre Marktpräsenz zu tun. Wenn die Sichtbarkeit so gut wäre wie ihre technologischen Leistungen, herrschte wohl Platzmangel an Werbeflächen.
Noch einer weiteren Aufgabe möchte sich das Wirtschaftsjournal mit seiner verstärkten Hinwendung auf die Probleme der Informationstechnologie und Kommunikation stellen: Die Interessenbündelung der Branche zu konzentrieren und die Marktpräsenz zu erhöhen. Heute gibt es eine große Anzahl teilweiser konkurrierender Verbände und Vereine, in denen ein ITK-Unternehmen Mitglied sein kann. Der BITKOM als zentraler Verband stellt sich vor allem Stuttgarter und Münchener Konzerninteressen. Ich würde mich freuen, durch eine offene Informationspolitik zu einem Zusammenrücken beitragen zu können. Damit Kunden schneller den passenden Dienstleister vor Ort finden und Dienstleister ihr Top Know-how ortsnah erbringen können. Das hilft den Anbietern durch geringere Kosten und den Kunden durch schnellere und bezahlbare Innovation.
Damit bin ich wieder bei meinem Motiv der Lebensadern angekommen. Unsere IT-Infrastruktur, die eingesetzten Anwendungen für Prozesssteuerung und Betriebwirtschaft, die Anforderungen an Logistik, Einkauf oder Prozessoptimierung folgen extrem innovativen Anforderungen. Dazu brauchen auch und vor allem die mittelständischen Unternehmer Expertenwissen. Dieses kostbare Wissen ist intern nicht zu entwickeln und zu halten. Das erfordert einen regen Gedankenaustausch zwischen Unternehmen und ITK-Experten. Das erfordert Klarheit über technologisch machbares, Trends und möglichen Wegen. Das Wirtschaftsjournal möchte helfen, diese Klarheit herzustellen, damit die LebensÂadern der Wirtschaft in Mitteldeutschland gesund sind und zu Stärke und Erfolg führen.
Ihr Jörg Sattler



Der neue Lotse ist an Bord





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