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Samstag, 31.Juli 2010

Best-Practice-Beispiel Europas

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Cluster belebt Austausch der Unternehmen und bindet sie in europäischen Kontext ein

„Der Cluster hat den Charakter einer Wirtschaftsförderung“, fasst Dr. Christoph Mühlhaus, Clustersprecher Chemie/Kunststoffe Mitteldeutschland das zentrale Anliegen der gezielten Netzwerkarbeit zusammen. Derzeit arbeiten etwa 800 Unternehmen mit rund 81.000 Beschäftigten in Sachsen, Thüringen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt in der chemischen I und der kunststoffverarbeitenden. Industrie Das Cluster wird heute bereits als best-practice-Beispiel der Europäischen Union benannt.

Der Zukunftscluster Chemie/Kunststoffe Mitteldeutschland bildet eine Plattform, auf der sich Unternehmen aller Größenklassen, Bildungs- und Forschungseinrichtungen, Verbände sowie Vertreter aus Politik und Verwaltung austauschen. Das Ziel ist, die in der Region vorhandenen Ressourcen an Wissen, Erfahrungen, technischem Know-how usw. zu erfassen, auszubauen und vor allem gemeinsam zu nutzen. So soll die Wirtschaftskraft und internationale Wettbewerbsfähigkeit der bestehenden Unternehmen gestärkt und damit Mitteldeutschland insgesamt als attraktive Chemie- und Kunststoffregion vermarktet werden. Vor diesem Hintergrund hat das Clustermanagement, das an der isw Gesellschaft für wissenschaftliche Beratung und Dienstleistung mbH angesiedelt ist, verschiedene Handlungsfelder und Instrumentarien entwickelt. Beispielsweise initiiert es Kooperationsprojekte zwischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen, unterstützt deren Teilnahme an Förderprogrammen sowie die Umsetzung neuartiger Ideen durch den Prof.-Johannes-Nelles-Preis, der durch die Dow Olefinverbund GmbH ausgeschrieben wird. Wo genau der Bedarf an neuen Produkten und Verfahren liegt, wird mittels eines Roadmap-Prozesses identifiziert. Dabei handelt es sich um ein auf Befragungen basierendes Vorhersageinstrument und dient der strategischen Ausrichtung der Branche. Eine Untersuchung im Bereich Spritzgusstechnologie ergab beispielsweise, dass sich Forschungs- und Entwicklungsprojekte in den nächsten Jahren hauptsächlich den Fragen der Energie­einsparung, der Weiterentwicklung der Prozesskontrolle sowie der Kombination verschiedener Verfahren widmen werden. Generell sind dabei Forschungskooperationen wichtig. Diese gehen auch über die Chemie- und Kunststoffindustrie hinaus. „Wir müssen uns mehr auf branchenübergreifende Wertschöpfung, auf Anwendungen konzentrieren", erklärt Dr. Mühlhaus. So gibt es viele Anknüpfungspunkte zu den Bereichen Logistik, Medizintechnik, Biotechnologie, Bergbau/Energie, Optoelektronik, Solarindus­trie, Maschinen- und Anlagenbau und Automotive. Ebenso ist der Cluster auf internationaler Ebene aktiv. So wirkt er im Europäischen Netzwerk der Chemieregionen (ECRN) sowie in der Initiative zum Aufbau eines Mittel- und Osteuropäischen Stoffverbundes (ChemLog) mit, setzt die Ergebnisse der High-Level Group Chemie um und pflegt den europäischen Erfahrungsaustausch zur Cluster- und Innovationspolitik im ChemClust.
„Die Firmen sind viel zu wenig in europäische Projekte eingebunden", betont Dr. Mühlhaus die Notwendigkeit dieser Initiative. An ChemClust sind neben dem mitteldeutschen Cluster die Regionen Asturien (Spanien), Masowien (Polen), Tartu (Estland), Cheshire und Tees Valley (beide Großbritannien), Novara (Italien), Limburg (Niederlande) sowie die Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein beteiligt. Die Chemieregion Sachsen- Anhalt übernimmt dabei die Aufgabe, die Entwicklung von Chemieparks zu „knowledge sites" in einem europäischen Innovationsstandortverbund voran zu treiben. „Dabei geht es um die gezielte Ansiedlung von Forschungseinrichtungen in der Nähe der Unternehmen", erläutert Dr. Mühlhaus. Jüngstes Beispiel dafür ist die Errichtung des Chemisch-Biotechnologischen Prozesszentrums in Leuna. Hier soll die stoffliche und energetische Nutzung nachwachsender Rohstoffe vorangetrieben werden. Ein weiteres Thema, das die mitteldeutschen Unternehmen und Forschungseinrichtungen nun in ChemClust europaweit diskutieren können, ist die Nutzung der Braunkohle als nachhaltigen Rohstoff für die Chemieindustrie. „Wir werden noch lange Zeit auf Kohle angewiesen sein", ist sich Dr. Mühlhaus sicher. „Wenn wir überhaupt mithalten wollen, müssen wir einheimische Feedstocks entwickeln", so der Clustersprecher weiter. Während er für Spezialprodukte die Biomasse geeignet sieht, ist es für Massenprodukte die Braunkohle.
Claudia Hillmann

Foto:
Die Förderung von Innovationsprozessen sowie die Entwicklung der regio­nalen Wertschöpfungsketten stellte Dr. Christoph Mühlhaus als die wichtigsten Ziele des mitteldeutschen Clusters Chemie/Kunststoffe bereits auf einer Cluster-Ringvorlesung Ende Januar 2007 dar.
Foto: Wirtschaftsinitiative für Mitteldeutschland GmbH

 
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