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Samstag, 31.Juli 2010

Die Farbe der Chemie ist grün

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Hauptgeschäftsführer vom Verband Nordostchemie: „Wir verstehen wirklich etwas von Umweltschutz“

Die Chemieindustrie erwirtschaftet in Deutschland jährlich 180 Milliarden Euro. Deutschland ist damit in Europa mit Abstand der bedeutendste Chemiestandort. Rund 440.000 der 6,1 Millionen Industriebeschäftigten Deutschlands arbeiten in der Branche. Die im Cluster Chemie/Kunststoffe Mitteldeutschland organisierten Unternehmen haben rund 81.000 Mitarbeiter in Sachsen, Thüringen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt und erwirtschaften einen Umsatz von 21 Milliarden Euro im Jahr. Neben der Wirtschafts- und Innovationskraft sowie der Beschäftigungspotenziale stellen die Leistungen im Bereich Umweltschutz den beachtlichsten Erfolg der Branche in Mitteldeutschland dar.
„Wenn wir von Umweltschutz reden, sehen die Leute, dass wir wirklich etwas davon verstehen", betont Dr. Paul Kriegelsteiner, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Chemischen Industrie e. V., Landesverband Nordost (Nordostchemie). Die chemische Industrie war in Ostdeutschland vor dem 1990 einsetzenden Strukturwandel ein enormer Umweltverschmutzer.

Nach den Angaben des Zukunftsclusters Chemie/Kunststoffe Mitteldeutschland war in Folge des tief greifenden Strukturwandels aber bereits ab 1993 eine deutliche Entkopplung des Wiederanstiegs des Umsatzes und der daraus resultierenden Emissionen in die Umwelt zu verzeichnen. Insgesamt konnte die Umweltbelastung durch umfangreiche Investitionen in moderne Anlagen und Verfahren seit 1990 drastisch verringert werden: Der Wasserverbrauch wurde um 85 Prozent reduziert. Abfall zur Beseitigung sank um 92 Prozent. Wasserschadstoffe wurden um 95 Prozent gesenkt, Luftschadstoffe um 89 Prozent verringert.
„Dennoch hat sich dieser Erfolg in den Köpfen noch nicht festgesetzt", bedauert Kriegelsteiner. „Die Leute lieben die chemischen Produkte, aber nicht den Prozess der Herstellung." So wird mit zahlreichen Initiativen und Aktionen, welche die Chemieindustrie und die Kunststoffverarbeitung erlebbar machen, versucht, vor allem junge Leute für diesen Industriezweig zu begeistern. Dazu gehören die Spendenaktion „Pro Chemieunterricht", die Einrichtung von Besucherzentren in Unternehmen, die Realisierung von Praktika sowie die Durchführung von Lehrveranstaltungen.
Motivierte Fachkräfte werden auch gebraucht, auch wenn das eine oder andere Unternehmen durch die derzeit unsichere Wirtschaftslage ins Straucheln geraten ist. Allerdings zeigt sich gerade die Chemieindustrie sehr robust. Das gilt vor allem für den Bereich der Spezialchemie. Darüber hinaus „haben die Unternehmen die Suche nach einem zweiten Standbein verstärkt", so der Hauptgeschäftsführer von Nordostchemie. „Nach dem Konjunkturaufschwung werden die Abnehmerbranchen nicht mehr die gleichen sein wie vorher." Doch keine von ihnen wird auch in Zukunft nicht ohne Chemieprodukte auskommen. Neue Ideen sind somit auf allen Ebenen gefragt, angefangen von der Entwicklung einer eigenen Rohstoffbasis bis hin zu völlig neuen Erzeugnissen, u. a. für die Automobilindustrie. Neben dem Know-how, das in den Köpfen der Mitarbeiter vorhanden ist, sind die so genannten Feedstocks entscheidend für die Chemie- und Kunststoffindustrie. Aktuelle Aktivitäten und Forschungen konzentrieren sich auf die Stärkung der einheimischen Rohstoffbasis, die aus Braunkohle und Biomasse besteht. Biomasse biete sich als Rohstoff für Spezialprodukte an. Das erfordert auch Lösungen zur Verwertung von Reststoffen, die bei der Produktion von Zellulose und
Zucker anfallen. Bei der stofflichen Verwertung der Braunkohle eignen sich vor allem die bitumenreichen eozänen Vorkommen, um zunächst die kohlenwasserstoffhaltigen Inhaltsstoffe zu gewinnen. Neben den technologischen Fragestellungen ist auch hier „die Akzeptanz ein riesiges Thema“,  wie Kriegelsteiner abschließend feststellt.
Claudia Hillmann

Foto1:
Dr. Paul Kriegelsteiner , Hauptgeschäftsführer der Chemieverbände Nordost.    
Foto: Nordostchemie

Foto2:
Zu den Chemieprodukten, die schon heute am meisten Emissionen einsparen, gehören Dämmmaterialien, Dünge- und Pflanzenschutzmittel, effiziente Lichtquellen, Antifouling-Schiffsfarben, Chemiefasern und verschiedene Kunstststoffe. Mit ihnen lassen sich Treibhausgase auf viel billigere Weise einsparen als z. B. mit CCS oder der Waldaufforstung.     Quelle: VCI

 

 
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