Familie führt im Vogtland seit 100 Jahren erfolgreich eine Bekleidungsfirma
Schreiersgrün -
Einst als Stickereifabrik gegründet, kann die Firma Seidel Moden in diesem Jahr ihr hundertjähriges Bestehen feiern.
Der vogtl Betrieb überlebte die Enteignung in der DDR und die Reprivatisierung nach der Wende.
Inzwischen führt die vierte Generation erfolgreich das Traditionsuntemehmen durch schwierige Zeiten.
Die Vergangenheit ist gegenwärtig, Im Betriebsshop der Firma Seidel Moden stehen jene Stickmaschinen, mit denen Friedrich Seidel vor 100 Jahren den Betrieb startete. „Während die..Erauen sich.einldeiden,..habea etwas zu gucken“, erzählt Axel Seidel ein wenig schmunzelnd beim Rundgang. Der 32-jährige ist seit acht Jahren an der Seite seines Väters Christoph Geschäftsführer des Familienbetriebs in Schreiersgrün — und damit die vierte Generation, „Ich bin quasi auf dem Zuschnitt groß geworden“, sagt Seidel Junior. Für Ihn war daher schnell klar, dass er nach dem Studium der Betriebswirtschaft in den elterlichen Betrieb einsteigt. Vom Verdienst her gebe es sicher lukrativere Angebote. „Aber hier kann ich mich selbst einbringen.“
Diese Lust auf Unternehmertum liegt bei der Familie Seidel offenbar im Blut, Bereits der Firmengründer, der mit klassischer Plauener Spitze begann, beschäftigte schon SO Mitarbeiter, Nach dem zweiten Weltkrieg stellten die Großeltern des jetzigen Geschäftsführers die Produktion von Spitze auf Konfektion um, die ersten Blusenmode]le entstanden. Das Unternehmen wuchs stetig — bis 1972 der Betrieb enteignet und in den VEB Vogtlandmoden eingebettet wurde. „Daran ist mein Großvater kaputt gegangen“, erzUhlt Axel Seidel Vater Christoph versucht nach der Enteignung, das gesamte Know-how vom Design bis zur Produktion im Haus zu halten Die fachliche Kompetenz aus Schreiersgrün wird auch in der DDR geschätzt. So werden von hier aus die Exquisit-Geschäfte beliefert und die Olympia- und Weltmeisterschaftsmannschaften ausgestattet. Dennoch, „ es gab kein Ziel“, meint Christoph Seidel rückblickend. Als schließlich die Wende kam, war es für den heute 62-Jährigen keine Frage, den Betrieb so schnell wie möglich wieder zu reprivatisieren und in den Familienbesitz zurückzuholen, „Wir waren die ersten im Regierungsbezirk Chemnitz“, erzählt der Firmenchef nicht ohne Stolz. Nun arbeitet er mit seinem Sohn gemeinsam in einem Büro. In jenem Zimmer, in dein auch schon die vorherigen Generationen wirkten, In der Ecke steht noch ein Schrank aus den Anfangszeiten, an der Wand hängt ein Bild des Firmengeländes aus dem Jahr 1959. Nur einen kleinen Anbau hat es seitdem gegeben, die Gebäude wurden saniert und rund fünf Millionen Euro unter anderem in neue Maschinen investiert.
 „Es war kein Zuckerschlecken“, beschreibt Seidel senior die Nachwendejahre, Von heute auf morgen brachen die Absatzmärkte weg Die Familie besuchte jede Messe, nutzte jede Gelegenheit, sich zu präsentieren So gelang es, Peek & Cloppenburg als größten Kunden zu gewinnen. Darüber hinaus beliefern die Vogtländer deutschland- und europaweit inzwischen etwa 1000 rachhändler. Mit 50 Mitarbeitern werden drei Millionen euro Umsatz und ein positives Ergebnis erwirtschaftet, Die achzeitschrift Markt Intern wählt das Unternehmen seit zwölf Jahren kontinuierlich unter die besten drei Bekleidungsfirmen.
„Unsere Zielgruppe ist die Prau ab 35“, erläutert Axel Seidel das Pirmenkonzept. Dabei setze die Firma auf Qualität und auch auf größere Größen, Zwei Haupt- und zwei Saisonkollektionen werden im Hause Seidel entworfen und hergestellt, kund 160 000 Blusen, Jacken, Shirts und Kleider verlassen jährlich den idyllischen Ort .— und was vom Lager übrig bleibt wird im eigenen Laden, den Mutter Rosemarie Seidel führt, verkauft. Zudem wurde mit UV Protect eine kleine Serie von Textilien aufgebaut, die vor Sonnenlicht schützen und so für Allergiker geeignet sind. Der Vertrieb dieser Produktgruppe läuft komplett übers Internet, „Pur mich ist es wie ein Lottogewinn, dass mein Sohn die Firma weiterführt“, sagt Seidel senior. Beide ergänzen sich, der Jungere kümmert sich mehr ums Marketing und den Außendienst der Ältere um die inneren Angelegenheiten.
„Und wenn ich heute mal um 14 Uhr gehen will, ist das kein Problem‘, sagt der Senior, der früher oft 12 bis 14 Stunden am Tag gearbeitet hat. „Das hält man körperlich auf Dauer nicht durch.“
Sohn Axel wohnt direkt im Haus am Pirmengelände, ist daher immer ansprechbar. „Urlaub kann Ich hier nicht machen“, sagt der Juniorchef, der das offene Klima schätzt, Man sei ein junges, innovatives Team, das den Mitarbeitern auch Preiräume für Entscheidungen biete „Wir haben alles im Haus und daher kurze Wege.“ Er vergleicht die Fir mit einer Kaffeemuhle, in die oben Ideen und Material hinein gegeben werden und unten eine fertige Kollektion herauskommt Allerdings stößt auch der Schreiersgruner Betrieb in puncto Flexibilität an seine Grenzen. Kapazitätsspitzen werden daher durch eine Produktionsstätte in Polen abgedeckt.
Trotz Krise ist Axel Seidel angesichts der bisherigen Auftragslage optimistisch, 2009 in etwa auf Vorjahresniveau zu bleiben. Für die Zukunft hat er sich ein „gesundes Wachstum“ vorgenommen. Im Mai soll im Zuge der Jubiläumsfeier zum hundertjährigen Bestehen des Unternehmens das alte Pirmenlogo verjüngt werden. Und auch die fünfte Generation des Familienbetriebs wächst bereits heran. Seidels Tochter ist zwar erst zwei Jahre alt. „Aber vielleicht wird sie ja mal die nächste Geschäftsführerin.“







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