Zukunftskonferenz Textil: Strategische Weichenstellung erfolgte in Chemnitz
Aus eigener Kraft will Deutschlands Textil- und Modebranche den Weg aus der Krise meistern.
Das versicherte Textilverbandschef Peter Schwartze zur ersten deutschen Zukunftskonferenz Textil, die am 12. und 13. März in Chemnitz stattfand.
Trotz Krise habe die Branche keine Angst vor der Zukunft. Allerdings müsse man gemeinsam mit der Politik Lösungen erörtern, um vor allem mittelständische Unternehmen zu unterstützen. Darüber diskutierten Vertreter der deutschen Textilbranche mit Politikern.
Bertram Höfer vom Verband der Nordostdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie hatte im Vorfeld der Konferenz erklärt, er erwarte keine staatlichen Beihilfen. Allerdings forderte er EU, Bund und Länder auf, den Mittelstand mit wirksamen Gesetzen zu unterstützen. Steigende Lohnnebenkosten, ausufernde Energiepreise, Bürokratie sowie Produkt- und Markenpiraterie seien ernstzunehmende Probleme und müssten besser verhindert werden. Ein weiteres Problem der Textilindustrie ist laut Höfer der Fachkräftemangel. Junge Menschen müssen künftig mehr für die Ausbildung in dieser Branche begeistert werden, denn „Textil ist nicht mehr Lärm, Staub, Dreck und schlechte Bezahlung.“
Auf der Konferenz wurde erneut unterstrichen: Die Zukunft der Branche liegt in technischen Textilien. In dieser Sparte sei Deutschland mit seinen Netzwerken und 17 Forschungsinstituten führend in Europa. Technische Textilien werden unter anderem zur Verstärkung von Kunststoffbauteilen eingesetzt, beispielsweise bei Sitzen in Autos oder Fußballstadien.
Führend in Europa ist die Bundesrepublik ist bei der Textilforschung. Im Bereich technischer Textilien ist Deutschland laut Schwartze Weltmarktführer. Rund 40 Prozent der Produkte gingen in den Export. In Deutschland arbeiten rund 130.000 Menschen in der Textil- und Modewirtschaft, davon etwa 18.000 in Ostdeutschland. Die etwa 1300 Betriebe erwirtschafteten im vergangenen Jahr rund 23 Milliarden Euro, 4,2 Prozent weniger als im Vorjahr.
Chemnitz gilt als Wiege der deutschen Textilindustrie. Und noch heute ist die Branche einer der größten Arbeitgeber in der Region. 18.000 Menschen in ganz Ostdeutschland sind in der Textilindustrie beschäftigt, zwei Drittel davon in Sachsen. Im vergangenen Jahr registrierten die Betriebe einen Umsatzrückgangg von drei Prozent.
Wolfgang Baltzer/PM
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